wann ist ein Kind verhaltensauffällig?
- 6. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Das Etikett der "Verhaltensauffälligkeit" ist schnell vergeben. Ein Wort, das Vorurteile schürt und eine breite Schublade öffnet, in die kein Elternteil sein Kind hineinstecken möchte. Daher ist es mir wichtig zu betonen, dass ich in diesem Beitrag das "auffällige Verhalten" als Signal betrachte, über welches das Kind Dysfunktionen in seinem familiären Umfeld zum Ausdruck bringt.
Manche Kinder reagieren nach außen.
Sie werden wütend, laut oder aggressiv. Sie schlagen, schreien, provozieren, widersetzen sich, verlieren den Respekt, machen andere lächerlich oder verhalten sich übertrieben.
Manchmal richtet sich diese Wucht gegen Geschwister, Eltern, Tiere, Gegenstände oder gegen sich selbst. Der Ausdruck dient als Ventil.
Andere Kinder reagieren nach innen.
Sie ziehen sich zurück, schweigen, resignieren, wirken traurig oder innerlich weit weg. Manche kapseln sich sozial ab, verlieren den sozialen Anschluss, werden zum AUssenseiter oder scheinen kaum noch erreichbar.
Wieder andere Kinder klammern sich stark.
Sie wollen nicht allein sein, suchen ständig Nähe, wirken anhänglich oder haben große Mühe, sich zu lösen. Manche versuchen, ihre Eltern zu schützen, übernehmen Verantwortung für deren Stimmung oder achten ständig darauf, dass „alles in Ordnung bleibt“.
Manche Kinder wirken übermäßig ängstlich.
Sie sorgen sich schnell, klammern sich an Sicherheit, sind misstrauisch, brauchen viel Rückversicherung oder vermeiden Situationen, die sie überfordern könnten.
Andere entwickeln einen starken Drang nach Ordnung.
Ein ausgeprägtes Sauberkeitsbedürfnis, feste Abläufe oder das Gefühl, dass alles „richtig“ sein muss, können ein Versuch sein, inneres Chaos im Außen in den Griff zu bekommen.
Einige passen sich stark an und sind "positiv" auffällig.
Sie übernehmen zu viel Verantwortung, kümmern sich übermäßig, wollen alles richtig machen oder versuchen, Spannungen in der Familie auszugleichen. Nach außen wirkt das oft vernünftig oder besonders reif. Innerlich tragen diese Kinder häufig viel zu viel.
Manche Kinder versuchen, über Kontrolle Sicherheit herzustellen.
Sie wollen bestimmen, herrschen, Regeln vorgeben oder Situationen an sich ziehen, weil sie innerlich das Gefühl haben, dass sie sonst verloren sind.
Andere zeigen es stärker über körperliche Reaktionen.
Dann geht es um Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, nicht einschlafen können, Schlafprobleme, Albträume, häufige Krankheit, Einnässen oder zeigen andere Beschwerden, für die sich nicht immer sofort eine klare Erklärung findet.
Es gibt Kinder, die sich anders regulieren.
Sie flüchten in Verhaltensweisen, die kurzfristig entlasten sollen. Das kann sich zeigen in Esssucht, Magersucht, Drogenkonsum, Reizsuche oder dem ständigen Drang nach intensiven Erlebnissen (Adrenalin), um sich überhaupt noch zu spüren.
Auch in Schule und Alltag wird es sichtbar.
Lernschwierigkeiten, Konzentrationsprobleme, schlechte Noten, Probleme mit Mitschülern oder Lehrern, Lügen, Verweigerung, Respektlosigkeit oder Diskussionen entstehen oft nicht grundlos.
Und manchmal richtet sich das, was innerlich zu viel ist, gegen sich selbst.
Dann zeigt es sich in depressivem Verhalten, Rückzug, Selbstabwertung, Zerstörungstrieb oder Impulsen, die gegen den eigenen Körper gehen.
All diese Verhaltensweisen sehen unterschiedlich aus und können unterschiedlich stark zu Tage treten. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Ihr Ursprung liegt oft an einer festgefahrenen Dynamik. Erziehungsmaßnahmen, die das Verhalten im Fokus haben, verschärfen die Unsicherheit des Kindes und führen zwangsläufig zu noch mehr Auffälligkeiten.
Kein Kind ist "einfach so" verhaltensauffällig.
Es ist "nur" Ausdruck von dem, was ein Kind innerlich belastet, bewegt und was es nicht anders zeigen kann.




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