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was Kinder mit ihrem auffälligem Verhalten zeigen

  • 10. Apr.
  • 6 Min. Lesezeit

Kinder mit auffälligem Verhalten


Kinder nehmen mehr wahr, als Erwachsene glauben.

​​

Kommt der Begriff "verhaltensauffällig" ins Spiel, überschlagen sich die Gedanken und Fragen der Eltern:

"Warum? Was stimmt nicht mit meinem Kind?"

"Was soll ich tun?"

"Wohin soll ich mich wenden?"

"Wer kann man meinem Kind helfen?"


In meiner Arbeit erlebe ich:

In solchen Momenten ist häufig der Fall, dass die Kinder mit ihrem Verhalten auf familiäre Spannungen reagieren, die für sie zu belastend sind. Und das ist erstmal "gut so", denn wenn das Kind re-agiert, ist es völlig in Ordnung und richtig.

Betrachtet man nämlich die "Reaktionskette" im Hintergrund, stellt sich das Verhalten nicht selten als "nachvollziehbar" heraus.


Zum Glück. Denn das bedeutet, man kann das Verhalten indirekt "beeinflussen". Man kann einem Kind, welches sich über "Verhaltensauffälligkeiten" ausdrückt, helfen.


Doch jetzt wird es noch sensibler, wie das Thema ohnehin schon ist:

Die Eltern sind hier gefragt.



Ich weiß, Eltern, die sich mit diesem Thema beschäftigen, versuchen alles in ihrer Macht stehende zu tun. Infos sammeln, sich belesen, Experten zu Rate ziehen, mögliche Tipps umsetzen, Meinungen und vielleicht sogar Gutachten einholen.

Es ist super, dass ihr aufmerksam seid und das Beste für euer Kind möchtet.


Und, leider muss ich sagen, dass die häufigste Ursache unberührt bleibt.


Der ein oder andere Elternteil ist sich vielleicht schon bewusst, dass es etwas geben könnte, was das emotionale Umfeld des Kindes nicht fördert.

Doch mit der guten Absicht erst dem Kind zu helfen und die Verhaltensauffälligkeit anzugehen, wird der Fokus von der eigentlichen familiären oder dysfunktionalen Ursache auf das Kind verlagert. Auf das Kind was ohnehin schon "zu viel trägt" und nun durch seine eigene "Sprache" in den Mittelpunkt der Spannungen gerät.

Weitere belastende Verwirrung für das Kind, denn es erfährt, dass es falsch ist und missverstanden wird.


Harte Worte? - Ja.

Leichtfertig daher gesagt? - Nein.



Doch was können die Eltern tun?


Gehen wir an die Anfangsfrage zurück, was Kinder eigentlich zeigen.

Das ist immerhin ein konkreter Ansatzpunkt und Hinweisgeber.


Kinder reagieren auf anhaltende Spannungen, die ein Elternteil oder beide in sich tragen. Belastendes in der Familie spüren sie, genauso wie unausgesprochene teils unbewusste Konflikte und sogar Auswirkungen der elterlichen Prägung. Auch wenn Eltern sagen "es ist alles gut" oder davon ausgehen, dass die Kleinen nicht wissen oder verstehen.... Doch, sie tun es. Vielleicht (noch) nicht im Verstand, aber im Gefühl.

Sie fühlen sich womöglich verantwortlich, schuldig, verraten oder fehl am Platz. Ungerecht behandelt, nicht verstanden oder einfach halt- und hilflos .



Es kann sein, dass der familiäre Alltag durch Druck und Ängste bestimmt ist oder Unsicherheit bei den Eltern, Machtkämpfe oder ständige Uneinigkeit herrschen.


In manchen Familien sind Themen unbewusst präsent, die schon länger von der gesamten Familie (auch der Oma-Opa-Generation) getragen werden. Es gibt womöglich Ungerechtigkeiten. Schockmomente und unverarbeitete Erfahrungen im Familienkollektiv.


Gleichzeitig zeigen Kinder durch ihre Sprache auch "sehr direkt", wenn ihnen etwas zu viel geworden ist oder eigene nicht verarbeitbare Erfahrungen in den Erinnerungen präsent sind.


Und ja - manche Situationen oder Begebenheiten lassen sich nicht ändern. Eine Trennung, ein Verlust. Schicksalsschläge, finanzielle Sorgen....

Oder, wenn ein Elternteil nicht bereit ist, die eigene emotionale Verfassung zu reflektieren. Die Last und Verantwortung obliegt dann einem Elternteil allein. Das macht es noch herausfordernder. Für Eltern und Kind.



Um die Eltern dabei zu begleiten, genau diese Spannungsfelder zu lösen, in denen das Kind die emotionale Orientierung verliert, habe ich den MOVE Elternkurs entwickelt. Auch eine einzelne Aufstellung kann Impulse einbringen und Veränderungen bewirken, um mit einer anderen wegweisenden Sicht die eigene Situation zu betrachten.

Denn darum geht es. Das ist ein wichtiger Teil, wenn man bereit ist, die emotionale Ursache der "Verhaltensauffälligkeit" im familiären Umfeld anzugehen und zu reflektieren.


Ich weiß, dass besorgte Eltern oftmals in ihrem Alltag aus Verantwortung, Organisation und ihren eigenen Themen gedanklich zu "gefangen" und beschäftigt sind. Die Perspektive des Kindes geht manchmal - ohne böse Absicht - einfach unter... und das ist in stressigen Momenten verständlich!


Zum Problem im Kind:


Das alles passiert, weil Kinder ihren Eltern - und besonders der Mutter - gegenüber loyal bleiben. Das heißt: sie fühlen sich der Familie zugehörig und "müssen" das unter Beweis stellen.

Wenn sie spüren, dass etwas fehlt oder ein Elternteil emotional nicht wirklich erreichbar ist, beginnen sie, diese Lücke zu füllen. Sie rutschen in Rollen, die nicht zu ihnen gehören, und übernehmen Verantwortung, die sie nicht tragen können. Sie passen sich an. Sie tragen mit und fühlen Dinge, die eigentlich nicht zu ihnen gehören.

Es passiert, dass sie ausgleichen. Für die Eltern und gegen die Spannungen in sich selbst.

​​​


Die Schwierigkeit ist, dass auf mehreren Ebenen gleichzeitig etwas "geschieht" und die Kinder "alles" wahrnehmen. Da allerdings das verbale Ausdrucksvermögen fehlt, um die Eindrücke und Empfindungen, oder gar Belastungen mitzuteilen, bleibt Ihnen nur die emotionale Ebene, sprich ihr Verhalten.



Ein Beispiel:


Kinder mit auffälligem Verhalten


Wut und Lügen


Ein Kind erlebt anhaltende Unstimmigkeiten und Konflikte zwischen den Eltern. Es befindet sich plötzlich zeitweise mittendrin und wird zum "Streitgegenstand", da es unter anderem um Schulleistungen und die Erziehung geht.

Zusätzlich wird es mit Unehrlichkeit zwischen Mama und Papa konfrontiert ("erzähl es nicht weiter"). Dadurch verspürt es selbst große innere Konflikte.

Die vermittelten Werte und Handlungen sind nicht einheitlich. Woher soll es wissen, was richtig oder falsch ist? Darf es nun lügen, und wenn ja, wann? Welchem Zweck dient das Lügen? Und warum sagt der eine, man darf nicht lügen, während der andere ständig schummelt oder verschweigt?


Dieses Hin- und Hergerissen sein zwischen Mama und Papa, das Gefühl, gezwungen zu sein, Partei zu ergreifen und sich gegen den anderen zu stellen....

Das Kind liebt nämlich beide Elternteile, gerät jedoch in den Konflikt, sich für eine Seite entscheiden zu müssen. Spätestens dann, wenn es "ein Geheimnis" nicht weitersagt, um eine Lüge nicht aufzudecken, entscheidet es sich ungewollt gegen einen Teil. Was wird das Kind innerlich ertragen müssen?


Zuhause verschärft sich die Lage im Kind mit jeder Wiederholung. Es wird wütend.

Das Kind wird wütend auf denjenigen, der lügt, weil er lügt.

Auf denjenigen, der belogen wird, weil er derjenige ist, vor dem das Kind die Wahrheit verbergen soll.

Und auf sich selbst, weil es etwas tut, das es nicht will, mit Konsequenzen, die es sich nicht ausgesucht hat. Egal, was es täte, es würde einen von beiden enttäuschen. Eine Situation, in der es nur verlieren kann.


Irgendwann erreicht die Wut einen Punkt, an dem sie ein Ventil benötigt. Dies geschieht sowohl in der Familie als auch nach außen durch:

  • Respektlosigkeit und Widersetzlichkeit (unbewusst gegen denjenigen gerichtet, der lügt bzw. verheimlicht)

  • absolute Ablehnung (unbewusst gegenüber demjenigen, der belogen wird)

  • allgemeine Wut, die einen Kanal findet (unbewusst in Form von Lernschwierigkeiten, Beschimpfungen, Provokationen, Prügeleien, Wutausbrüchen)

  • und natürlich Lügen, da es scheinbar akzeptabel ist, um eigene Vorteile zu erlangen (Kompensationen)


Und das Kind kann nicht erklären, warum das so ist, was passiert oder was es fühlt. Es kann nur durch sein Verhalten aufmerksam machen und die Widersprüche zum Ausdruck bringen.



Ein weiteres Beispiel:


Kinder mit auffälligem Verhalten


Rollentausch


Ein anderes Kind bemerkt unbewusst, dass die Mutter stark mit der Oma verstrickt ist und unselbstständig ist. Die Mutter kann nur schwer Prioritäten setzen und tanzt auf vielen Hochzeiten gleichzeitig.


Früher, als die Mutter selbst noch ein Kind war, hatte sie in der Familie eine bestimmte "Aufgabe" und auch heute lässt sie sich teilweise von der Oma fremdbestimmen.

Die Mutter kann schwer selbst entscheiden und fragt gerne erst einige andere, bevor sie sich unsicher festlegt.


Systemisch betrachtet, erfüllt das Kind eine ähnliche "Aufgabe" in der Familie.

Das Kind ist recht erwachsen, fällt in der Schule nicht auf, nur zuhause. Es gibt oft "klärende" Ansagen, lässt sich nicht bremsen und zeigt ein bestimmendes, den Takt angebendes Verhalten. Das Kind lässt sich kaum steuern oder eingrenzen, widersetzt sich pausenlos und "weiß es besser".


Zusätzlich zeigt es körperliche Symptome, die auf das Thema "Grenzen" hinweisen könnten, wenn man diese Ebene in Betracht ziehen würde.



Man erkennt:

Das eigentliche Problem hinter dem Verhalten von Kindern ist einerseits ihre begrenzte Fähigkeit, Situationen und Erlebtes zu verarbeiten.

Andererseits die "Verpflichtung", Aufgaben zu übernehmen, mit denen sich Erwachsene schwer tun.

Und dazwischen:

Die Tatsache, dass sie all das nicht in Worte fassen können, was sie wahrnehmen, was sie belastet oder was in ihnen vorgeht. Ist die Kapazität in den Kindern "voll", zeigt sich durch ihr Handeln, was sich angesammelt hat und unsortierbar geworden ist.


So paradox es sich anhört: Sie drücken Chaos aus - unbewusst - um mit den Eltern in Kontakt zu bleiben.​


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